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Ein großer Schritt nach vorn

SolarWorld-Chef Dr.-Ing. E.h. Frank Asbeck schaut optimistisch in die Zukunft

Herr Asbeck, was bedeutet Restrukturierung bei SolarWorld?
Alle leisten einen Beitrag: Die Gläubiger müssen akzeptieren, dass rund 55 Prozent der Schulden nicht zurückgezahlt sondern in Aktien umgewandelt werden. Unsere Aktionäre müssen in Kauf nehmen, dass ihre Altaktien nur noch 5 Prozent des Unternehmens ausmachen werden. Ein strategischer Investor aus Katar will mit rund 35 Millionen in das Unternehmen einsteigen. Ich selbst investiere nach der Abwertung meiner Aktien noch einmal rund 10 Millionen privat. Und all unsere Beschäftigten arbeiten auch in schwierigen Zeiten hochmotiviert an neuen Produkten, weiteren Kostensenkungen und ständiger Qualitätsverbesserung.

Dafür bekommt aber auch jeder etwas: Unseren Gläubigern zahlen wir besichert und nach festem Tilgungsplan etwa 45 Prozent der Schulden zurück, weit mehr, als beispielsweise die Anleihen heute am Markt wert sind.
Unsere Aktionäre erhalten mit einem dann zukunftsfähigen Unternehmen und durch die strategische Beteiligung der Investoren wieder eine Perspektive. SolarWorld befreit sich von seiner Schuldenlast und kann wieder die Rolle des Technologie- und Branchenzugpferdes einnehmen. Und unsere Kostensenkungen geben wir systematisch an unsere Kunden weiter.

Welche Schritte sind erforderlich, um das umzusetzen?
Unsere Schuldscheingläubiger, also die Banken, haben dem Konzept bereits zugestimmt. Am 8. und 9. Juli sollen unsere Anleihegläubiger über das Konzept abstimmen. Wenn dort nicht die hohe Beteiligung von 50 Prozent erreicht wird, müssen bei einer erneuten Versammlung danach mindestens 25 Prozent der Anleihegläubiger vertreten sein. Die Hauptversammlung wiederum muss über das Konzept der Kapitalherabsetzung abstimmen. Danach wären wir dann durch.

Was macht Sie so sicher, dass Sie die notwendige Zustimmung erhalten?
Jeder bekommt nach diesem Plan deutlich mehr heraus als im Falle eines Scheiterns der SolarWorld, die Anleihegläubiger zudem deutlich mehr als den gegenwärtigen Kurswert der Anleihen. Mit der Umwandlung von Schulden in Aktien ermöglichen wir zudem eine Wertaufholung, wenn der Wert der Aktie zukünftig auch wieder steigt. Die Banken haben bereits zugestimmt, weil das Angebot in Anbetracht der Marktlage sehr fair ist.

Wie sehen Sie die Zukunft des Unternehmens?
Wenn das Konzept so umgesetzt wird, können wir wieder durchstarten. SolarWorld ist Europas und Amerikas größter Solarhersteller. Wir sind in fast allen Bereichen technologisch führend. Dieses Unternehmen kann Großes leisten auf dem global wachsendem Markt für Solarstromanlagen und für die solare Welt.

Die EU-Kommission hat jetzt vorläufige Zölle auf chinesische Solarprodukte verhängt, im ersten Schritt 11,8 Prozent, danach 47 Prozent. Haben Sie das erwartet?
Ja, denn Dumping darf man nicht tolerieren. Chinesisches Dumping hat schon zu viele Unternehmen und Jobs in Europas Solarindustrie zerstört. Die Europäische Kommission hat in ihrer Verordnung festgestellt, dass chinesische Unternehmen massiv unter eigenen Herstellungskosten verkaufen. Die ersten Zollmaßnahmen greifen jetzt. Ab 6. August gelten dann 47 Prozent Zoll auf chinesische Module. Damit kann das Dumping gestoppt werden und wir kommen wieder zu fairem Wettbewerb auf dem Solarmarkt.
 
Jetzt droht angeblich ein Handelskrieg.
China hat tatsächlich vor drei Jahren einen Handelskrieg begonnen. Seitdem finanziert der Staat dort die Verkaufspreise unter Herstellkosten. Das hat ja nichts mit Engagement für saubere Energie zu tun. Hier geht es darum, ein Monopol zu errichten und am Ende Monopolpreise zu erzielen. Was die europäischen Solarhersteller gemacht haben, ist schlicht und ergreifend, auf internationales Recht zu pochen und gegen Dumping vorzugehen. Alles was wir wollen, ist die Anwendung geltenden Rechts.

Am Mittwoch beginnt in München die Intersolar, die größte Solarmesse der Welt: Wie tritt SolarWorld dort auf?
SolarWorld hat schon immer auf Forschung und Entwicklung gesetzt. Seit Mai 2013 produzieren wir die Produktreihe Sunmodule Protect, das neue Glas-Glas-Modul, in unserer Freiberger Fertigung. Sie finden kein belast­bareres Solarmodul, das gleichzeitig so leicht und solide verarbeitet ist, mit einer Leistungsgarantie über 30 Lebensjahre. Zudem bieten wir unseren neuen Batteriespeicher an. Es ist bereits unsere dritte Speichergeneration, noch leistungsfähiger und günstiger.

Was viele interessiert: Müssen Ihre Kunden nach der Einführung von Zöllen jetzt mit steigenden Preisen rechnen?
Nein, wir senken weiter unsere Kosten. Und wie jedes Jahr senken wir auch entsprechend unsere Preise. Aber wir machen keine Zugeständnisse bei der Qualität. Pünktlich zur Messe führen wir unser neues Premiumprodukt Sunmodule Protect zum Preis unseres bisherigen Standard-Moduls ein. Und für das Standardmodul gelten ab sofort niedrigere Preise. Nur eines machen wir nicht: Im Gegensatz zu China verkaufen wir nicht unter Herstellungskosten. Das kann kein marktwirtschaftliches Unternehmen. Das kann nur eine Staatswirtschaft, und ich bin froh, nicht in
einer zu leben.

Der deutsche Markt ist inzwischen nicht mehr der wichtigste PV-Markt weltweit. Welche neuen Märkte muss sich SolarWorld jetzt und mittelfristig erschließen?
Wir haben uns auch in der Vergangenheit  nicht nur auf den deutschen Markt beschränkt – im Gegensatz zu anderen deutschen Herstellern. Insbesondere die USA spielen eine große Rolle. Hier sind wir, wie in Europa, der größte Hersteller von Solartechnologie. Der europäische Markt ist nach zahlreichen Verwerfungen durch Dumping und politische Förderkürzungen stark geschwächt. Aber auch hier geht es weiter, beispielsweise in Frankreich, Italien und Benelux, wo wir stark sind. Auch in Afrika und Asien sind wir aktiv. In Japan verkaufen wir derzeit so viel wie nie zuvor.

 
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