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„Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen“

SolarWorld-Chef Frank Asbeck über Chancen und Konflikte der Solarindustrie

Freitag, 20.01.2012 10:30v3

SolarWorld-Chef Frank Asbeck über Chancen und Konflikte

Herr Asbeck, wo sehen Sie das Potenzial für Solarstrom in Deutschland?

Jedes Haus hat ein Dach, und auf jedem Dach lässt sich mehr Strom erzeugen, als eine Familie im Jahr verbrauchen kann. Damit ist das Potenzial praktisch unbegrenzt. Da wir aber auch die Netz- und Speicherinfrastruktur mitentwickeln müssen, halte ich einen jährlichen Zubau von etwa 5 Gigawatt pro Jahr für richtig. Das ist weniger, als in den Boomjahren 2010 und 2011 neu installiert wurde, aber immerhin so viel, dass man mit der Stromerzeugung ein Atomkraftwerk pro Jahr ersetzen kann.

Auf welche Mehrkosten muss man sich einrichten?

Die Kosten, die die deutschen Stromverbraucher für Solarstrom bezahlen, sind im Wesentlichen die Kosten für die Anlagen, die längst gebaut sind. Inzwischen ist Photovoltaik deutlich billiger geworden und die Förderung wurde entsprechend deutlich gesenkt – in anderthalb Jahren um knapp 50 Prozent. Neue Anlagen, also das, was in den nächsten Jahren an klimaschonenden Solarstromanlagen gebaut wird, führt allenfalls noch zu marginalen Mehrkosten, die bei rund einem Drittelcent liegen. Dagegen stehen im Übrigen massive Kostenersparnisse durch preissenkende Effekte an der Strombörse, CO2-Vermeidung und vermiedene Energieimporte.

Es gibt Stimmen in der Regierungskoalition, die den Ausbau der Photovoltaik in Deutschland durch eine Obergrenze limitieren wollen. Welche Konsequenzen hätte das für die Solarindustrie?
Das wäre die Wende der Wende. Aus der Energiewende würde quasi eine Pirouette, da so die Anfangsinvestitionen in die deutsche Solartechnologie zunichte gemacht würden und die Vorreiterstellung Deutschlands verloren ginge.

Wie viel trägt Solarenergie derzeit zur Stromerzeugung in Deutschland bei?

Solarenergie hatte im Jahr 2011 einen Anteil von etwa dreieinhalb Prozent an der Stromerzeugung. Das klingt erst einmal recht wenig, ist es aber nicht. Vor allem wenn man bedenkt, dass der Anteil der Photovoltaik vor fünf Jahren noch im Promillebereich lag. Die Wasserkraft hat PV im deutschen Energiemix bereits überholt. In den nächsten Jahren wird Solarstrom zur zweitstärksten erneuerbaren Stromquelle nach der Windenergie werden.
Wer einmal eine Solaranlage hat, produziert damit jedes Jahr immer wieder neuen Strom – im Gegensatz zu fossilen Energieträgern. Was da einmal verbrannt ist, ist eben weg und kommt auch nicht wieder. Sonnenstrom hat allerdings nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Effekte: Durch die dezentrale Erzeugung können Netzausbaukosten vermieden werden. Die Erneuerbaren Energien erzeugen schon heute mehr Strom als die deutschen Kernkraftwerke und sind im Gegensatz zu diesen sicher, sauber und ohne Langzeitkosten für meine Kinder.

Passt der Strom wirklich ins Netz?

Solarstrom wird in der Regel da produziert, wo er auch direkt gebraucht wird. Damit reduziert sich der Transportbedarf des Stroms gegenüber allen anderen Energieträgern erheblich. Dazu kommt, dass Solarstrom sehr gut prognostizierbar ist. Man weiß ausreichend lange vorher, wie viel Solarstrom an einem Tag in Deutschland produziert und ins Netz eingespeist werden wird. Damit können Ausgleichskraftwerke oder Lastmanagement sicher geplant werden. Der Fall, um den man sich kümmern muss, ist bestes Sommerwetter bei gleichzeitig geringem Strombedarf. Hierfür müssen die Verteilnetze in absoluten Photovoltaik-Hochburgen, beispielsweise in einigen Ortschaften in Bayern, verstärkt werden. Inzwischen sieht das EEG auch vor, dass im Falle einer drohenden Netzüberlastung die Solarstromanlagen vom Netz genommen werden. Da geht Sicherheit vor.
Bedenken habe ich bei großen Megawattparks auf dem freien Feld. Hier geht der Dezentralitätsvorteil der Solarenergie verloren. In Spanien und Griechenland kann man das ja machen. Aber in dichtbesiedelten Gebieten wie Deutschland bin ich für eine Größenbegrenzung für diese Anlagen.

In den vergangenen Wochen kam immer wieder die Idee auf, Sonnenstrom aus Griechenland in europäische Länder zu exportieren. Was halten Sie davon?

Ich halte das Helios-Projekt dann für eine gute Idee, wenn der Strom und der eigentliche Gewinn auch im Land bleiben. Griechenland muss bis 2020 seine EU-Ziele für Erneuerbare Energien erfüllen und ist wie die meisten anderen EU-Staaten meilenweit davon entfernt. Mit dem enormen Solarstrompotenzial im Land könnte Griechenland die Vorgaben aber sogar übererfüllen und die überschüssigen Anrechnungsmengen gemäß EU-Richtlinie an weniger erfolgreiche Staaten verkaufen.

Gemeinsam mit sechs anderen amerikanischen Herstellern hat die US-Tochter der SolarWorld AG eine Antidumping-Klage beim US-Handelsministerium und der Internationalen Handelskammer in Washington eingereicht.  Warum?

Die Solarbranche hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht in Sachen Innovation und Kostensenkung. Das war möglich durch den sportlichen Wettbewerb, zu dem uns auch das Erneuerbare-Energien-Gesetz mit seiner schrittweisen Degression anhielt. Heute fertigen wir nach den Prinzipien einer modernen industriellen Massenfertigung. Dieser Wettbewerb ist nun in Gefahr, weil einige Unternehmen foul spielen. Chinesische Hersteller werfen mit massiver staatlicher materieller und finanzieller Unterstützung ihre Produkte zu Dumping-Preisen vor allem auf westliche Märkte, um aus strategischen Gründen dort Anteile zu sichern. Wir wollen mit unserer Klage den fairen Wettbewerb wieder herstellen.

Wie sehen Sie die Zukunft der europäischen Photovoltaik-Industrie? Wo sehen Sie die wichtigsten Zukunftsmärkte?

Die Solar-Industrie ist eine der wichtigsten Zukunftsbranchen in Europa. Davon bin ich überzeugt, und die SolarWorld AG wird auch künftig dazu gehören. Allerdings werden einige der Player auf der Strecke bleiben. 2012 und 2013 werden die entscheidenden Jahre – jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen. Nur wer in der Vergangenheit seinen Fokus auf Effizienz und Kostenreduktion gelegt hat, wird auch dann noch mitspielen können, wenn mit der Netzparität der endgültige Durchbruch für die Photovoltaik ansteht.

 
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