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„Schneller und ideenreicher“

Die Solarindustrie ist im Umbruch – und zwar weltweit. Im Preiskampf mit chinesischen Herstellern wird insbesondere die Zukunftsfähigkeit deutscher, europäischer und US-amerikanischer Solarunternehmen angezweifelt. Über die deutsche Solarindustrie sprachen wir mit Boris Klebensberger, Vorstand Operatives Geschäft der SolarWorld AG, und Mario Behrendt, Geschäftsführer des SolarWorld-Tochterunternehmens Deutsche Solar GmbH, das am Standort Freiberg in Sachsen Solarwafer herstellt.

Mit Q-Cells hat der ehemals weltgrößte Solarzellenhersteller und eines der deutschen Vorzeigeunternehmen Anfang April Insolvenz angemeldet. Ist die Solarindustrie in Deutschland noch wettbewerbsfähig?

Klebensberger: Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen. Das ist im Einzelfall sehr bedauerlich, zumal die Solarindustrie in den Anfangsjahren ein kleiner Kreis von Idealisten und Visionären war. Einige der betroffenen Unternehmen haben auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig getanzt und die wahre Braut aus den Augen verloren. Die deutsche Solarindustrie ist aber durchaus wettbewerbsfähig. Dass Chinesen billiger verkaufen heißt ja nicht, dass sie kostengünstiger produzieren können. Im Gegenteil: Was unsere Produktion in Freiberg oder in den USA kann, muss uns erst mal einer nachmachen.

Was genau macht denn den Standort Deutschland wettbewerbsfähig?

Behrendt: Dass wir schneller und ideenreicher sind als unsere Wettbewerber. Nur mit Innovationen bleiben wir konkurrenzfähig. Und Konkurrenzfähigkeit und das definiert sich nicht allein über den Preis. Es ist eine alte Weisheit, dass wer kopiert nicht besser sein kann als das das Original. Wir müssen uns mit unseren Produkten in punkto Leistung und Design vom solaren Massenmarkt unterscheiden. Schon heute fokussieren wir uns im SolarWorld-Konzern auf vier Säulen der Wettbewerbsfähigkeit: das Produkt selbst, Forschung und Innovation, Qualität und Service.

Klebensberger: Hinzu kommt unsere Erfahrung: Die SolarWorld ist nicht erst seit drei Jahren am Markt. Die SolarWorld selbst gibt es seit 1999. Die Fertigungsstätten in Deutschland und den USA können auf eine deutlich längere Erfahrung zurückblicken. Infolgedessen mussten wir auch im vergangenen Jahr ein Teil unserer Maschinen und Anlagen abschreiben, weil diese in einem hartumkämpften Marktumfeld nicht mehr wettbewerbsfähig herstellen können. Wir sind in der Vergangenheit nicht mit jedem unserer Forschungsergebnisse hausieren gegangen. Auch weil die Vorteile und das Wissen eigener Entwicklungen so lange wie möglich im Hause behalten wollten. Denn nur so bleiben wir wettbewerbsfähig. Das hat aber eben auch dazu geführt, dass SolarWorld bisher zu wenig mit dem Thema Innovation verbunden wurde. Das werden wir ändern. Zur Intersolar in München werden wir einige unserer Innovationen zur Steigerung des Modulwirkungsgrades präsentieren und damit auch zeigen, dass wir die vergangenen Jahre nicht verschlafen haben. Wir stellen unsere neuen Module vor, die in Zukunft noch mehr Leistung pro Fläche bringen. Steigern konnten wir die Effizienz, indem wir zum Beispiel ein neues Verfahren für die Zellvorderseiten-Kontakte entwickelt haben. Außerdem haben wir einen neuen Prozess umgesetzt, der die Zellrückseite elektrisch leitfähiger macht.

Welche Rolle spielt das Maschinen- und Equipment-Know-How für die Wettbewerbsfähigkeit?

Behrendt: Dass wir unser Maschinen-Know-how langfristig sichern müssen, ist uns nicht erst bewusst, seitdem viele deutsche Maschinenlieferanten ihre wichtigsten Absatzmärkte in Asien fanden. Wir haben in diesen Fragen viele unterschiedliche einzelne Wege beschritten. In einzelnen Bereichen haben wir mit unserem Engineering-Team eigene Anlagen bzw. Modifikationen entwickelt. Seit einigen Jahren werden beispielsweise Kristallisationsöfen in Freiberg entwickelt und in Eigenregie gebaut. Wir kristallisieren und sägen heute multikristalline Siliziumblöcke in solchen Blockgrößen, die unseres Wissens kein Wettbewerber herstellen kann. Das ist ausschließlich unserem Ingenieurs-Team zu verdanken. Ich bin überzeugt, dass wir uns durch das eigene Anlagen-Know-how und den damit verbundenen Prozessen deutlich von anderen Solartechnologieherstellern unterscheiden. Wir haben auch nach dem Erwerb von Standard-Maschinen oder Turnkey-Anlagen diese für unsere eigenen Produktionsprozesse optimiert und verändert. So fließt das Wissen nicht mehr zurück zum Anlagen-Hersteller. Diese Strategie verfolgen wir über alle Stufen der Fertigung. Parallel haben wir Kontinuierliche-Verbesserungs-Prozesse (KVP) zum Standard in der Fertigung gemacht. Die Summe der einzelnen Projekte macht uns wettbewerbsfähig. Wir haben immer versucht, uns mit anderen Produktionsunternehmen zu benchmarken und das nicht nur innerhalb der Branche, sondern auch mit der „alten“ Industrie, deren Fertigungen auf eine längere Erfahrung zurückblicken können. Bei diesen Benchmark Prozessen haben wir bisher durchaus sehr erfolgreich abgeschnitten: Wir sind das erste Solarunternehmen weltweit, dass den CETPM-Award in Bronze erreicht hat und damit erfolgreich nachgewiesen hat, dass unsere Verbesserungsprozesse auf hohem industriellen Niveau sind. Gleiches gilt auch für die Auszeichnung mit einem Sonderpreis des MX-Awards. Hier wurde unser Veränderungsmanagement hin zu einer vollautomatisierten Fertigung gewürdigt.

Spielt bei der Wettbewerbsfähigkeit nur das Maschinen-Equipment eine Rolle?

Klebensberger: Natürlich nicht. Insbesondere in unserer Fertigung sehen wir die Vorteile einer anerkannten dualen Ausbildung. Die Mitarbeiter verfügen über ein profundes theoretisches und praktisches Wissen und zudem über jahrelange Fertigungserfahrungen. Die Vorteile kommen nicht nur bei unseren KVP-Prozessen zum Einsatz. Ich bin überzeugt, dass nur wenige Unternehmen so viel aus ihren Maschinen herausholen können wie wir.

Wie unterscheiden sich die Herstellkosten von dem der Wettbewerber?

Behrendt: Was Rohstoff-, Material- und Medienkosten betrifft, wird es in Asien schon wegen der hohen Subventionen dort immer billiger sein. Das ist kein Geheimnis. Gleiches gilt auch für die Lohnkosten. Aber mit einer Lohnkostenquote von weniger als zehn Prozent sind wir mehr als wettbewerbsfähig. Wir haben über alle Fertigungsstufen eine vollautomatisierte Produktion und unterscheiden uns damit von so mancher Manufaktur: Wofür man in asiatischen Fertigungen fast 100 Mitarbeiter braucht, reichen in unserer Fertigung HÄUFIG weniger als ein Zehntel der Mitarbeiter. Das sieht man auch in der Mitarbeiter-pro-Megawatt-Quote. Als europäischer Hersteller haben wir natürlich auch noch andere Vorteile: Das betrifft vor allem die Logistik. Wir müssen unsere Produkte nicht über lange Strecken transportieren. Sie kommen über kurze Wege bei unseren Kunden an. Zudem arbeiten wir mit topqualifizierten Mitarbeitern und klar definierten Umwelt- und Sozialstandards.

Manche Experten behaupten, dass in Deutschland und Europa in Zukunft nur noch geforscht werden wird, die Produktion jedoch in Asien stattfindet. Was spricht dagegen?

Klebensberger: Dagegen spricht, dass es dann auf lange Sicht keine Gründe mehr gäbe, die Forschung weiter in Europa zu halten. Denn wenn die Fertigung in Richtung Osten abwandert, wird die Forschung hinterherziehen. Das wäre nur eine Frage der Zeit. Forschung und Fertigung müssen, um möglichst große Synergieeffekte zu erzielen, an einem Standort lokalisiert sein. Nur so kann zeitnah getestet werden, ob sich Forschungsergebnisse auch in großen Mengen in der Fertigung umsetzen lassen. Forschung und Entwicklung war immer Teil der SolarWorld-Strategie neben einer Fertigung entlang der kompletten Wertschöpfungskette.

Behrendt: Das kann ich nur unterstreichen. Entwicklungen müssen auch in die Produktion umgesetzt werden. Ich kenne keinen Industriezweig, wo in Deutschland nur geforscht wird und wir trotzdem im globalen Maßstab Spitzenreiter sind. Wenn es keine Fertigung mehr in Europa gibt, hat das auch Auswirkungen auf die Zulieferindustrie. Diese wird sich bei zu wenigen Abnehmern nicht in Europa halten können.

Unterscheiden sich die Qualität oder auch der Kundenservice in Deutschland von anderen Herstellern?

Klebensberger: Der Kauf einer Solaranlage ist ein sehr beratungsintensives Geschäft und unterscheidet sich damit beispielsweise vom Kauf eines Telefons oder eines Computers.. Hier haben wir durch die Nähe zum Kunden und einem gut ausgebauten Fachpartnernetz Vorteile.

Behrendt: Nicht umsonst ist „Made in Germany“ ein Markenname. Und um gute Produkte zu entwickeln, braucht man auch eine gewisse räumliche Nähe zum Kunden.

Ein Solarmodul ist ein sogenanntes „Commodity-Produkt“. Äußerlich sind keine Unterschiede zu erkennen. Wie kann der Endkunde ein Qualitätsprodukt erkennen?

Klebensberger: Ein Solarstrommodul, das 25 Jahre und mehr halten muss, ist kein Handy, wo ich mir nach zwei Jahren ein Neues kaufe. Solarmodule sehen äußerlich vielleicht relativ ähnlich aus. Im Unterschied zu anderen Wettbewerbern können wir aber die Qualität über alle Wertschöpfungsstufen garantieren. Unsere Materialtests gehen weit über die vom TÜV geforderten Standard-Normen hinaus und wir verwenden nur TOP-Produkte, die alle unsere Tests bestanden haben.

 
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