Rohstoffquelle Nummer Eins

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Südafrikas Rohstoffquelle Nummer Eins

Mit der Nutzung der Sonnenenergie kann Südafrika langfristig unabhängig von fossilen Energien werden. Dass Solarstrom die Versorgung zugleich sicherer macht, erkennen im größten afrikanischen Schwellenland immer mehr Verbraucher.

Auf der Autobahn zwischen Johannesburg und Pretoria herrscht immer viel Verkehr. „Freitags ist es besonders schlimm“, sagt Richard Maleka leicht genervt und wechselt mit seinem himmelblauen Pick-Up auf die nächste Überholspur. Die beiden sü̈dafrikanischen Großstädte sind im Zuge des anhaltenden Wirtschaftswachstums immer weiter zusammen gewachsen. Acht bis zehn Millionen Menschen wohnen mittlerweile in der Metropolregion. An den Rändern der Autobahn gibt es nur noch wenig Grün. Einfache Hü̈tten sind dazugekommen – die meisten davon ohne Strom.

Richard Maleka ist auf dem Weg zu einem seiner Kunden, der sü̈dafrikanischen Entwicklungsbank DBSA aus Midrand, die das ändern will. Die Development Bank of Southern Africa hat „die kritische Notwendigkeit erkannt, regenerative Energien in der gesamten Region auszubauen“, wie Chantal Naidoo aus der Umweltfinanzierung der Bank sagt. Denn „Solar- und Windenergie sind in Südafrika im Überfluss vorhanden“. Nichts liege näher als mit Solarstrom die Versorgung der eigenen Bevölkerung sicherzustellen, sagt die Bankerin. „Eating our own dogfood“ nennt sie das. Zu gut deutsch: Setz auf deine eigenen Rohstoffe und Produkte.

Südafrikas Entwicklungsbank setzt auf Solarenergie

Einen ersten Happen hat die Bank bereits genommen. Richard Maleka hat hinter dem Empfangsgebäude der Entwicklungsbank zwölf Reihen mit jeweils 14 Solarstrommodulen der SolarWorld AG aufgebaut, die seit dem Frü̈hjahr für einen Teil der Stromversorgung der Bank sorgen. „Die Auflagen waren hoch“, erzählt er. „Ich hatte wenig Platz und ästhetisch sollte es sein.“ Dem Photovoltaik-Spezialisten ist das gelungen. Die Module sind von Gras und Blumen umgeben und passen damit ideal zum bepflanzten Dach auf dem Gebäude selbst. Bioklimatisierung ist dort das Stichwort.

Das SolarWorld Kraftwerk ist mit einer Leistung von 29 Kilowatt eines der ersten ü̈berhaupt, das bei einem afrikanischen Finanzinstitut arbeitet. „Die Qualität der eingesetzten Technik ist entscheidend, damit die Versorgung auch sicher ist“, fordert Chantal Naidoo, deren Bank ein Aktionsprogramm zur Finanzierung von Solaranlagen vorbereitet. Das könnte einmal so ähnlich aussehen wie die in Deutschland von der Kreditanstalt fü̈r Wiederaufbau (KfW) zur Erleichterung von PV-Investments angebotenen Finanzierungen. Außerdem will die Bank den Verbrauchern Hilfe bei Service und technischem Support liefern.

Zuverlässigkeit zählt

Richard Maleka ist seit 17 Jahren im sü̈dafrikanischen PV-Geschäft aktiv. Der dreifache Familienvater legt mit seinem Wagen jährlich mehr als 60.000 Kilometer zurü̈ck – viele davon auf kaum befestigten Straßen –, um die Solarenergie auch an abgelegene Orte bringen zu können. Die von ihm installierten autarken Solareinheiten, vor allem fü̈r Haushalte und Wasserpumpen, summieren sich auf mehr als zwei Megawatt (MW) Leistung. Malekas Firma Sunlec setzt ausschließlich auf Produkte von SolarWorld. „Ich muss mich auf Qualität und Sicherheit verlassen können“, argumentiert er. „Außerdem erhalte ich von SolarWorld South Africa alle Unterstü̈tzung, die ich brauche.“

Maleka ist damit unter Sü̈dafrikas erfahrenen Solarteuren kein Einzelfall. André Friend lebt rund tausend Kilometer weiter sü̈dlich in der Hafenstadt Port Elizabeth am Indischen Ozean. Wie Maleka ist er fast täglich fü̈r Installationen und Service in Sachen Solarstrom unterwegs. Mehr als 1.000 Systeme hat der Nachfahre schottischer Einwanderer bisher ausgeliefert. „Wir fokussieren uns auf Qualität. Deshalb nutzen wir SolarWorld Technologie.“ Denn jeder Ausfall eines Systems bedeutet fü̈r Friends Team zusätzlichen Zeitaufwand und Kosten, liegen die Installation doch ü̈ber das weite Land verteilt und damit oft eine Tagesreise vom Unternehmenssitz entfernt. Sü̈dafrika ist zwar mehr als dreimal so groß wie Deutschland, aber mit der Hälfte der Einwohnerzahl deutlich dünner besiedelt. „Ein Solarsystem muss zuverlässiger sein als die Elektrizität, die die Verbraucher aus dem Stromnetz beziehen“, so das Credo des Spezialisten, der keine Tour ohne perfekt gepackte Werkzeugkiste, Gaskocher und Kühlschrank unternimmt. Denn weitab „im Busch“ können sich die Männer bei Pannen nur noch selbst helfen und versorgen.

"Solarenergie statt Sromausfall"

Fü̈r Ben Bremer vom Ausbildungszentrum Ulovane im Eastern Cape rund einhundert Kilometer östlich von Port Elizabeth hängt alles von der solaren Sicherheit ab. „Vorletztes Jahr hatten wir an zwei von sieben Tagen keinen Strom“, erzählt er. Hintergrund waren die massiven Stromausfälle, die 2008 in Sü̈dafrika ihren Höhepunkt erreichten. Kraftwerkspark und Stromnetz im Land waren nicht mehr in der Lage, das ü̈ber Jahre andauernde Wirtschaftswachstum mit ausreichend Elektrizität zu versorgen. Als erstes schaltete der staatliche Stromversorger Eskom die Verbraucher in den ländlichen Regionen ab. Als der gebü̈rtige Niederländer, der vor fü̈nf Jahren „der Liebe wegen“ ins Land am Kap der Guten Hoffnung zog, 2009 seine Schule zur Ausbildung von Wildhü̈tern im Eastern Cape aufbaute, war fü̈r ihn klar, sich von der zentralen Stromversorgung unabhängig zu machen. Die 5,2 kW-Anlage mit Modulen der SolarWorld, die ihm André Friend auf dem Holzdach eines offenen Zelthauses montierte, das Lehrern und Studenten als Besprechungsort im Freien dient, reiche völlig aus, um den Bedarf der Schule zu decken, erzählt er. Zu den Verbrauchern zählen eine Wasch- und Spü̈lmaschine, Fernseher, Computer und die gesamte Beleuchtung – sowohl der Schule als auch der beiden Studentenunterkü̈nfte. Um die Sonnenenergie rund um die Uhr nutzen zu können, setzt Ben wie die meisten unabhängigen Solarstromverbraucher in Sü̈dafrika auf Batterien. „Die gesamte Anlage war gü̈nstiger als ein Anschluss an das vier Kilometer entfernt liegende Stromnetz“, sagt der Ranger. „Außerdem bin ich damit unabhängig von fossilen Energien.“ Die nachhaltige Rundum-Sorglos-Perspektive des Solarstroms hat Ben Bremer derart ü̈berzeugt, dass er auch sein privates Wohnhaus, das er aktuell auf dem Wildgelände zwischen Dornbüschen, Termitenhü̈geln und Savannengewächsen mit allem Komfort ausstattet, von einer SolarWorld Anlage versorgen lassen wird. Sein Freund André baut sie gerade auf.

Unabhängig im Weltkulturerbe

Länger als Bremer freuen sich Erika und Hans Calitz schon ü̈ber die solare Versorgungssicherheit. Das Ehepaar betreibt in der Nähe des von ihren Vorfahren gegründeten heutigen Weinbaustädtchens Calitzdorp die Farm „Living Waters“. Auf dem Dach eines der Gebäude arbeitet seit zwölf Jahren eine PV-Anlage des mittlerweile zum SolarWorld Konzern zählenden Solarpioniers Siemens Solar. „Unsere Stromversorgung ist vollkommen autark und dabei sehr einfach zu handhaben“, sagt Erika Calitz. „Man muss nur den Ladestand der Batterien regelmäßig kontrollieren. Wir hatten in den zwölf Jahren immer Strom und nie Schwierigkeiten.“ Urlauber weltweit buchen die wenigen Zimmer der naturnahen Farm in Mitten des als Weltkulturerbe geschü̈tzten Naturreservats des Western Capes, vor allem, um mit einheimischen Fü̈hrern fü̈r mehrere Tage durch die Wildnis zu streifen. Dank moderner Solartechnologie funktionieren auch die Mobiltelefone fü̈r die Kommunikation während der Touren. Die saubere Technologie versorgt einen Mobilfunkmast unweit der 800 Hektar großen Farm mit Strom. „Ohne diese Technologie wäre ich nicht hier“, sagt Hans Calitz. „Die Arbeit rund um die Farm wäre nicht zu organisieren.“ Richard Maleka glaubt, dass Solarstrom in Sü̈dafrika vor einer großen Zukunft steht und sich die Verbraucher immer mehr von den ökonomischen Vorteilen der Technologie ü̈berzeugen lassen werden. Das gelte auch fü̈r die Industrie und Dienstleister. Keine Bank kann es sich leisten, wie 2008 zeitweise fü̈r Stunden wegen der Stromausfälle von der Außen- und Finanzwelt abgeschnitten zu sein, auch nicht die Entwicklungsbank DBSA. „Ich bin sehr positiv eingestellt. Das Solargeschäft wächst.“ In diesem Moment klingelt sein Handy, wenig später sitzt er schon wieder in seinem Pick-Up. „Ein neuer Auftrag, diesmal in der Nähe von Durban. Ich muss fliegen“, ruft er noch, dann ist er wieder unterwegs auf der Autobahn zwischen Pretoria und Johannesburg.

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